PCF berechnen:
Erste Schritte aus der Praxis für Unternehmen

Pragmatischer Einstieg in die
PCF-Berechnung
Viele Unternehmen wissen heute, dass sie sich mit dem Product Carbon Footprint (PCF) ihrer Produkte beschäftigen müssen, sei es aufgrund regulatorischer Anforderungen, von Kundenanfragen oder im Kontext des Digitalen Produktpasses. In der Praxis stellt sich jedoch weniger die Frage, was ein PCF ist, sondern wie man sinnvoll mit der Berechnung beginnt.
Dieser Guide richtet sich an produzierende Unternehmen, die vor dem Start eines PCF-Projekts stehen oder erste Berechnungen planen und dafür eine pragmatische Orientierung suchen. Im Fokus stehen typische Einstiegsfragen aus der Praxis: Wer sollte intern Verantwortung übernehmen? Mit welchem Produkt ist ein sinnvoller Start möglich? Und welche Daten sind für eine erste PCF-Berechnung tatsächlich erforderlich?
Der Guide beschreibt ein bewährtes Vorgehen aus Projekten mit Industrieunternehmen und zeigt, wie sich ein Einstieg auch dann umsetzen lässt, wenn Daten noch nicht vollständig vorliegen. Ziel ist es, einen strukturierten Start zu ermöglichen und eine belastbare Grundlage für die schrittweise Weiterentwicklung der PCF-Berechnung zu schaffen.

Schritt 1: Verantwortung und Rollen für die PCF-Berechnung festlegen
Ein häufiger Grund, warum PCF-Projekte ins Stocken geraten, ist eine unklare Zuständigkeit. Der Product Carbon Footprint lässt sich weder ausschließlich im Nachhaltigkeitsmanagement noch allein in der Produktentwicklung verorten. In der Praxis handelt es sich um ein Querschnittsthema, bei dem fachliche, organisatorische und datenbezogene Fragen zusammenkommen. Ein klarer Startpunkt ist daher die bewusste Klärung von Verantwortung und Rollen.
Bewährt hat sich die Bildung einer kleinen, festen Arbeitsgruppe, die den Einstieg in die PCF-Berechnung koordiniert. Diese Gruppe muss nicht groß sein. In vielen Projekten reichen zwei bis drei Personen aus. Entscheidend ist weniger die Anzahl als die Kombination der Perspektiven:
- Typischerweise sind Funktionen aus Produktmanagement oder Produktentwicklung beteiligt, da dort Stücklisten, Produktvarianten und Lebenszyklusfragen verankert sind.
- Ergänzend bringen Umwelt-, Energie- oder Nachhaltigkeitsverantwortliche das methodische Verständnis für Emissionsfaktoren und Systemgrenzen ein.
- Je nach Organisation sind auch Einkauf oder Controlling frühzeitig einzubinden, insbesondere wenn Lieferantendaten oder Kostenstrukturen eine Rolle spielen.
Wichtig ist, zwischen fachlicher Verantwortung und Datenzulieferung zu unterscheiden. Nicht jede beteiligte Abteilung muss aktiv an der Berechnung mitarbeiten. Oft genügt es, wenn klar definiert ist, wer welche Daten bereitstellt und wer die inhaltliche Hoheit über Annahmen, Abgrenzungen und Ergebnisse trägt. Diese Trennung reduziert Abstimmungsaufwand und verhindert, dass PCF-Projekte an zu vielen parallelen Abstimmungen scheitern.
In der Praxis zeigt sich außerdem, dass der Einstieg in die PCF-Berechnung nicht mit einem vollständig etablierten Prozess beginnen muss. Viel wichtiger ist es, eine verantwortliche Kernrolle festzulegen, die den Überblick behält, offene Fragen sammelt und den iterativen Aufbau der Berechnung steuert. Auf dieser Basis lassen sich Rollen und Zuständigkeiten später problemlos erweitern, wenn die PCF-Berechnung skaliert oder in weitere Prozesse integriert wird.

Schritt 2: Ein geeignetes Produkt für den Einstieg auswählen
Nach der Klärung von Rollen und Verantwortlichkeiten stellt sich schnell die Frage, mit welchem Produkt die PCF-Berechnung sinnvoll begonnen werden sollte. In der Praxis liegt hier eine der wichtigsten Weichenstellungen für den Projekterfolg. Ein häufiger Fehler besteht darin, direkt mit dem komplexesten oder strategisch wichtigsten Produkt starten zu wollen. Das führt oft dazu, dass der Einstieg unnötig aufwendig wird und erste Ergebnisse lange auf sich warten lassen.
Bewährt hat sich stattdessen ein Pilotansatz in der Praxis, bei dem ein Produkt ausgewählt wird, das repräsentativ für das eigene Portfolio ist, ohne gleichzeitig alle denkbaren Komplexitäten abzubilden. Ziel dieses ersten Schritts ist es, die Logik der PCF-Berechnung zu verstehen, Datenquellen zu identifizieren und interne Abstimmungsprozesse einzuüben. Das ausgewählte Produkt muss daher nicht perfekt sein, sondern vor allem lerngeeignet. Für die Produktauswahl haben sich in der Praxis mehrere Kriterien als hilfreich erwiesen:
- Sinnvoll ist es, ein Produkt mit relevanten Stückzahlen oder Umsatzanteilen zu wählen, da sich die Ergebnisse später besser kommunizieren lassen.
- Gleichzeitig sollte die Lieferkette überschaubar sein, idealerweise mit bekannten Lieferanten und Materialien.
- Auch ein klar abgegrenzter Produktionsprozess ist hilfreich, da Produktions- und Energiedaten so leichter zugeordnet werden können.
Produkte mit vielen Varianten, Sonderausführungen oder häufig wechselnden Stücklisten eignen sich für den Einstieg meist weniger.
Wichtig ist außerdem, den Pilot bewusst begrenzt zu halten. In vielen Projekten hat es sich bewährt, mit einem oder wenigen Produkten zu starten und den Umfang erst nach den ersten Berechnungsläufen zu erweitern. Auf diese Weise lassen sich Annahmen, Datenmodelle und Vorgehensweisen schrittweise verfeinern, ohne den organisatorischen Aufwand unnötig zu erhöhen.
Der Einstieg in die PCF-Berechnung ist damit weniger eine Frage der perfekten Produktauswahl als vielmehr eine Frage der richtigen Reihenfolge. Ein gut gewähltes Einstiegsprodukt schafft Transparenz, reduziert Komplexität und legt die Grundlage für eine spätere Skalierung auf weitere Produkte oder Produktgruppen.

Schritt 3: Welche Daten für eine erste PCF-Berechnung benötigt werden
Spätestens beim Thema Daten entsteht in vielen Unternehmen Unsicherheit. Häufige Fragen sind, welche Informationen tatsächlich benötigt werden, wo diese Daten liegen und wie mit Lücken umzugehen ist. Entscheidend für einen erfolgreichen Einstieg ist, die PCF-Berechnung nicht als vollständige Datensammlung, sondern als strukturierten Annäherungsprozess zu verstehen. Für eine erste Berechnung ist es nicht erforderlich, dass alle Daten perfekt vorliegen.
Grundsätzlich lassen sich die benötigten Informationen in mehrere Datentypen gliedern. Auf Produktebene werden zunächst grundlegende Angaben benötigt, etwa Produktbezeichnungen, Stücklisten, Rezepturen oder Materialzusammensetzungen (Produktentwicklung). Diese Informationen sind in vielen Unternehmen bereits in bestehenden Systemen vorhanden und bilden die Basis für die weitere Modellierung. Ergänzend kommen Lieferantendaten hinzu, insbesondere Informationen zu eingekauften Materialien, Vorprodukten oder Komponenten, da diese einen wesentlichen Einfluss auf den PCF haben können (Einkauf).
Ein weiterer zentraler Datenblock betrifft die Produktions- und Energiedaten. Hierzu zählen Angaben zum Energieeinsatz in der Fertigung, zu relevanten Prozessschritten oder zu Produktionsmengen, auf die sich der Energieverbrauch verteilen lässt (Produktion/Controlling). In der Praxis liegen diese Daten häufig nicht direkt auf Produktebene vor, sondern müssen aus Produktions-, Energie- oder Energiemanagementsystemen abgeleitet werden. Für den Einstieg genügt es oft, mit plausiblen Zuordnungen und Durchschnittswerten zu arbeiten, solange diese transparent dokumentiert werden.
Je nach Produkt und Systemgrenze können zusätzlich Transportdaten relevant werden, etwa für den Transport von Materialien oder Vorprodukten. Auch hier gilt: Für eine erste PCF-Berechnung ist es wichtiger, eine nachvollziehbare Annahme zu treffen, als auf vollständig detaillierte Transportketten zu warten. Die systematische Verbesserung dieser Daten erfolgt in späteren Iterationen.
In der Praxis ist der Umgang mit Datenlücken ein entscheidender Erfolgsfaktor. Nicht alle benötigten Informationen stehen zu Beginn als Primärdaten zur Verfügung. In solchen Fällen ist der Einsatz von Sekundärdaten, etwa aus anerkannten Datenbanken oder Branchenwerten, ein gängiger und akzeptierter Ansatz. Wichtig ist, diese Annahmen klar zu kennzeichnen und regelmäßig zu überprüfen. Auf diese Weise bleibt die PCF-Berechnung transparent und anschlussfähig für spätere Verfeinerungen.
Entscheidend ist, die PCF-Berechnung von Anfang an als iterativen Prozess aufzusetzen. Erste Ergebnisse dienen nicht als endgültige Wahrheit, sondern als Ausgangspunkt. Mit jeder weiteren Iteration können Datenqualität, Detailgrad und Abdeckung verbessert werden. Unternehmen, die diesen pragmatischen Ansatz verfolgen, schaffen eine belastbare Grundlage, um PCF-Berechnungen schrittweise zu professionalisieren und in weitere Anforderungen wie Kundenanfragen oder den Digitalen Produktpass zu integrieren.
Die PCF-Berechnung als iterativen Prozess verstehen
In der Praxis zeigt sich, dass Unternehmen nach einem erfolgreichen Pilot schrittweise weitere Produkte, Varianten oder Lieferanten einbeziehen. Parallel dazu verbessert sich die Qualität der zugrunde liegenden Daten, etwa durch genauere Produktionszuordnungen, aktualisierte Emissionsfaktoren oder eine engere Einbindung von Lieferanten. Dieser iterative Ansatz ermöglicht es, die PCF-Berechnung systematisch zu verfeinern, ohne den Einstieg unnötig zu verzögern.
Langfristig wird der Product Carbon Footprint für viele Unternehmen zu einem festen Bestandteil ihrer Produktdatenlandschaft. Insbesondere im Zusammenspiel mit Anforderungen aus Kundenanfragen, Nachhaltigkeitsberichterstattung oder dem Digitalen Produktpass zeigt sich der Mehrwert einer strukturierten und skalierbaren PCF-Logik. Wer den Einstieg pragmatisch gestaltet und die Berechnung von Beginn an als lernenden Prozess versteht, schafft eine belastbare Grundlage für zukünftige Anforderungen.
Wenn Sie die PCF-Berechnung über erste Pilotprodukte hinaus weiterentwickeln oder systematisch in Ihre Datenlandschaft integrieren möchten, lohnt sich ein gemeinsamer Blick auf das weitere Vorgehen.